Neulich wurde wir mal wieder von unsere Schule zu einerm berufvorbereitenden "Event" geschickt. Es war eine Berufsmesse. Und sie war so tot-sterbens-langweilig.

Ich, Orbi und Dana waren drauf und dran uns einen Kaffe(ich liebe Kaffe) zu holen und uns den ganzen Tag irgendwo hinzusetzen.

Wir waren gerade dabei eine Tribühne hochzulaufen, da rief mir Orbi zu: "Frances! Da, da ist eine Frau, die was vom Schüleraustausch geredet hat!" "Echt?!" "Jaah!" "Da müssen wir hin!" Wir setzen also Dana und unsere Sachen auf die Tribühne und gingen zu dieser Frau. Sie war total nett und zeigte uns gleich den YFU-Stand. Wir gingen also dort hin und unterhielten uns mit einem Mädchen. Zu erst wunderten wir uns, wieso sie so langsam und betönt sprach, so als ob sie uns nicht leiden konnte. Und dann erzählte sie uns, dass sie eine Austauschschülerin aus Norwegen ist. Sie hatte auch ein Namensschild, wo das draufstand, aber das hatten wir irgendwie übersehen. Wir unterhielten uns eine Weile, leider mussten Orbi und ich dann zu einem Vortrag.

Später, als der Vortrag vorbei war, gingen wir wieder rein und setzen uns. Eigentlich wollten wir Mädels zusammen Mittag essen, aber da kam die Frau von YFU auf uns zu. Die Norwegerin hatte ihr erzählt, dass wir eine Projektarbeit über Austauschschüler machen wollen und sie bot uns ihre Hilfe an. Wir nutzen die Möglichkeit und sie erzählte uns einem Menge (ich hab natürlich alles mitgeschrieben, wär ja doof, wenn ich das nicht gemacht hätte) und dann meinte sie: "Wenn ihr die Möglichkeit hab, macht doch ein Interview mit ***. Kommt dann einfach runter!" Ich nickte sofort, Orbi wollte nicht so recht. Im Endefekt gingen wir dann doch runter.


Und das kam dabei raus:


Ich: Gut.. naja.. wie lange machst du denn deinen Austausch?

Sie: 10-11 Monate

Ich: Hattest du auch solche Phasen, wie sie immer beschrieben werden? Also die Alles-ist-scheiße-ich-will-wieder-heim-Phase?

Sie: (lacht) Äh.. nein. Nicht so wirlich.

Ich: Und wie siehts mit deinen Noten aus?

Sie: Ja relativ, aber ich hab nicht alle Fächer, ich habe z.B.  kein Physik und kein Deutsch.. aber das Schlimmste ist, seit dem ich Deutsch kann, funktioniert mein Englisch nicht mehr...

Ich und Orbi: Was?

Ich: Wieso das denn?

Sie: Ich habe keine Ahnung...

Ich: Komisch. Naja.. gefällt dir das Deutsche Schulsystem?

Sie: Es ist Ok. Irgendwie gibt es hier viel Ausfall.

Orbi: Hast du ein Glück. Das haben wir ja nicht.

Ich: Wieso wolltest du eigentlich nach Deutschland?

Sie: Das war für mich gar keine Frage. Wir hatten schon selbst 2 Austauschschüler aus Deutschland. Ich dachte, es wäre cool, wenn ich mich mit denen auf Deutsch unterhalten könnte.

Ich: Hast du auch schlechte Erfahrungen gemacht?

Sie: Eingentlich nicht. In der Schule ist es nur so, dass nicht alle gleich auf einen zukommen.

Orbi: Hast du Heimweh?

Sie: Nein. Überhaupt nicht. Ich wäre zwar gern bei einigen Familienfeiern dabeigewesen, aber nein, wirklich nicht...

Ich: Hast du ein Stipendium bekommen?

Sie: Ja. Ich weiß nicht wie das auf Deutsch heißt... Ich glaube... Wegwohnstipendium(<--- Nachforschungen ergaben, das es eine Art Bafög in Norwegen ist)

Ich: Und was ist Typisch Deutsch für dich?

Sie: Bier!

Ich: Wow... das kam aber ganz schön schnell...

Sie: Es ist aber wirlich so. Ihr trinkt immer bier. Ja und dann gehen viele in die Kirche (sie wohnt in einem Gebiet, wo wirlich alle Katholisch sind und immerzu in die Kirche rennen)... Und am Tag der Deutschen Einheit macht ihr nichts. Ich bin an dem Tag frühs aufgestanden und habe zu meinem Gastgeschwistern gesagt: "Hey, ist heute nicht Tag der Deutschen Einheit? Feiern wir nicht ein bisschen? " Weil ich draußen noch nichts gesehen hatte und ich dachte ich habe mich im Datum geirrt. Aber sie meiten nur: "Ja heute haben wir frei."

Orbi: Und typisch Deutsches essen?

Sie: Gehacktes. Wurst. Viel Brot. Gummibärchen. Klöße. Und ihr habt extrem saures Sauerkraut. Und ihr trinkt irgendwie immer Kaffe (also die Mahrzeit zwischen Mittag und Abendbrot----> Kaffetrinken, Kaffee und Kuchen). Und ich vermisse den Fisch. (Sie wohnt in einem Gebiet, wo es wirklich nicht einen Fisch gibt).

Ich:Und was hat dir der Austausch so gebracht? Also bis jetzt?

Sie: Man lern viel über sich selbst, man tut Dinge, von denen man nie geglaubt hat, dass man sie tun wird und man versteht mehr und fängt an anders zu denken...


Damit war dann das offizielle Interview beendet. Wir haben uns noch recht lange unterhalten und Mail-Adressen ausgetauscht. Und ich hab sie zum Fischessen eingeladen, dazu ist es aber noch nicht gekommen, sie wohnt eben doch ein wenig weiter weg...